Abgeordnete wie Schulkinder
behandelt
Florian Rötzer 14.03.2000 Auch bei australischen Abgeordneten
werden Filter für den Internetzugang installiert
Australische Parlamentarier sind verärgert. Seit dem 1.1.2000
ist das umstrittene Zensurgesetz für das Internet in Kraft getreten, durch das obszöne
oder irgendwie anstößige und illegale Websites im Ausland von den Internetprovidern für
die australischen Bürger durch Filter blockiert werden müssen. Jetzt aber wurde offenbar
von den "Internet Nannies" der Regierung auch den Parlamentariern, wie der Sydney Morning Herald
meldete, der Zugang zu den unerwünschten Websites gesperrt.
So zieht also eine Gleichberechtigung ein, wie es sich für eine demokratische
Gesellschaft gehört. Im Inland wurden seit Inkrafttreten des Broadcasting Services Act 22
Websites aufgefordert, vom Netz zu gehen. In aller Regel habe es sich dabei um Websites
mit pornografischen Inhalten gehandelt. Die für die Zensur zuständige Australian
Broadcasting Authority ( ABA) gibt aus Gründen des
Datenschutzes die Adressen der Websites nicht bekannt ( Die Schwierigkeiten mit
der Zensur). Seit Januar seien 90 Beschwerden eingereicht worden. Wegen des
Zensurgesetzes sind aber bereits einige Websites ins Ausland abgewandert.
Australien spielt mit dem Zensurgesetz eine Vorreiterrolle in der westlichen Welt, denn
viele Regierungen, natürlich auch die EU ( Filter-Kritiker werden
nicht mitgezählt), denken daran, mit Filtern ihre Bürger vor unerwünschten Inhalten
zu "schützen". Aber da gibt es neben der Meinungs- und Informationsfreiheit
noch ein weiteres Problem, das gerade in Australien zum Problem wurde, denn jetzt hat die
Zensurmaßnahme das Parlament von New South Wales erwischt. Vor einer Woche wurden die
Parlamentarier von der australischen Regierung benachrichtigt, dass Websites
"gefiltert" werden, die kriminelle Anleitungen, pornografische Inhalte und
Kontaktmöglichkeiten mit Prostituierten enthalten. Zensiert werden aber auch Websites mit
Glücksspielen oder mit rassistischen Inhalten. Die Maßnahme löste freilich bei den
Parlamentariern Ärger aus. Der Abgeordnete Ernie Page beschwerte sich beispielsweise,
dass Parlamentarier damit wie "Schulkinder" behandelt würden. Sie könnten
durch den fehlenden Zugang zu Informationen auch nicht mehr ausreichend an Diskussionen
teilnehmen: "Ich bin schockiert, wenn auch nicht überrascht, dass diese Entscheidung
ohne ausführliche Konsultation getroffen worden ist."
Auch Rob Brian, zuständig für die Parlamentsbibliothek, beschwerte sich, weil die
Parlamentarier sich nun nicht mehr ausreichend über problematisch Websites informieren
können. Sie müssten aber Bescheid wissen, welche rassistischen Argumenten auf Websites
veröffentlicht werden, ob es Probleme mit Sexsites gibt und ob Websites mit
Glücksspielen bei Jugendlichen zu unerwünschten Handlungsweisen führen. Ohne Zugang zu
diesen Websites könnten die Mitarbeiter den Abgeordneten auch keine Berichte mehr über
die Glücksspielbranche im Internet vorlegen. Brain fragte - nebenbei - auch, ob die
Blockierung von Websites mit Glücksspielen auch die Börsen und den Online-Handel mit
Wertpapieren betrifft.
Offenbar aber wird die Zensurmaßnahme auch von manchen begrüßt. So sagte etwa der
Abgeordnete Charlie Lynn, er habe in den Gelben Seiten in seinem Büro Seiten mit
Angeboten entdeckt: "Sie müssen sofort entfernt werden."
Allerdings kam von der Regierung die Nachricht, dass das Parlament von New South Wales
nur fälschlicherweise mit den Filtern ausgestattet worden sei, die bei den staatlichen
Ministerien einegsetzt werden: "Das war ein Irrtum. Wir warten darauf, dass uns das
Parlament mitteilt, ob sie die Filter beibehalten oder entfernt sehen wollen."