8. April 2000
"Sauberes" Internet für Kinder
Filter-Software SmartFilter blockiert eine Million Websites | Liste angeblich komplett manuell erstellt | CyberPatrol blockiert Vienna Online komplett sowie alle Member-Pages von Nextra und AON.
Ein Trend aus den stets um die Moral der Jugend besorgten USA hat nun auch
Österreich erreicht: Als erster Provider bietet die UTA "ein kinder- und
familiengerechtes Internet-Service" an, das durch Einsatz "modernster
Filtersoftware den Zugriff auf jugendgefährdende Inhalte" verhindern soll.
Die zuständige Produktmanagerin der UTA, Claudia Winkler, betont, dass
"SmartFilter" anders als das Programm "CyberPatrol" [siehe unten]
nicht auf einfacher Stichwortsuche basiere, sondern auf einer manuell erstellten,
umfassenden Blacklist internationaler und deutscher Websites, die laufend aktualisiert
werden. Wie dies beim Zuwachs von zigtausend Webpages pro Tag im Internet funktionieren
soll, konnte auch die Produktmanagerin auf Anhieb nicht schlüssig erklären. Nur so viel:
"Absolute Sicherheit kann keine Filtersoftware bieten." Bei FunNet seien vor
allem die Filterkategorien "drugs, cult, hate speech, extreme" aktiviert, so
Winkler weiter.
Laut Auskunft Walter Langs, Vertriebsleiter Infotechnologie-Dienstleistungen bei
Siemens, dem deutschen Partner des US-Herstellers Secure Computing, sind fünf Mitarbeiter
in Erlangen allein damit beschäftigt, bis zu 15.000 deutschsprachige URLS wöchentlich
hinzuzufügen. Die Gesamtzahl aller in den Index aufgenommenen Adressen liege bei etwa
einer Million. Einsicht in diese schwarze Liste sei, so Lang weiter, "prinzipiell
möglich", was insofern erstaunlich ist, da die schwarzen Listen von allen
Filterproduzenten generell wie Staatsgeheimnisse gehütet werden. Warum dem so ist,
brachte der Fall "CyberPatrol" zu Tage, der in den USA seit Wochen für
Aufregung, vor allem aber für Gelächter sorgt, nachdem Hacker eine Liste der von
CyberPatrol blockierten Sites im Netz veröffentlicht hatten. Offenbar wegen einer durch
und durch harmlosen "Erotik"-Sektion wird die komplette Site des Providers
Vienna Online blockiert. Daneben sind alle Member-Pages von AON und Nextra, zwei Rechner
mit Tausenden Homepages der Uni Wien, die gesamte Public Netbase, aber auch diverse
Nameserve betroffen.
Quelle: Online-Magazin des österreichischen Rundfunks ORF (http://futurezone.orf.at)
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