19. August 2000
Freedom.net - eine neue Software gegen Internet-Zensur
Aus der heutigen Sonntags-Zeitung (gekürzt):
Frankreich gegen Yahoo!
Den Vorstoss in unerforschtes Justizgelände verdankt das Netz dem Richter Jean-Jacques
Gomez vom Pariser Zivilgericht. Gomez will einer Klage französischer Organisationen
stattgeben und den Internetriesen Yahoo! dazu zwingen, die Auktionen von Nazi-Memorabilien
auf seiner US-Website für französische Netzbenützer zu sperren. Aber der Versuch, im
Internet nationale Grenzen zu errichten, stösst auf harten Widerstand und hohe
technologische Hürden. Vor einer Woche musste er das selbst eingestehen. Anstatt
seiner Sperrungsverfügung vom 22. Mai mit konkreten Strafmassnahmen Nachachtung zu
verschaffen, gab er Yahoo! eine
Gnadenfrist bis Anfang November. Bis dann soll eine dreiköpfige, international besetzte
Expertenkommission herausfinden, auf welche Weise US-Web-Seiten überhaupt für Franzosen
unzugänglich gemacht werden könnten. Dass die Server von Yahoo! in Kalifornien stehen,
sei dabei unerheblich. Der beklagte Konzern besteht dagegen darauf, dass Yahoo! USA
amerikanischem Recht
unterliege. Und auf der Site http://www.fr.yahoo.com
der französischen Tochterfirma würden keine in Frankreich illegalen Waren angeboten.
Wenn das Internetunternehmen spezielle Filter für Frankreich - und später für andere
Länder - einbauen müsste, «wäre das für Yahoo! eine schwere Last». Das
technologische Fundament stehe für solche Sperren bereit, sagen Experten. So will die
kalifornische Startup-Firma NetGeo aus der IP-Adresse des Provider-Servers ermitteln
können, wo der Surfer ins Netz einsteigt.
Bereits könne man den Ort mit 98 Prozent Sicherheit feststellen, sagt NetGeo-Gründer
Michael Yang. «Wir glauben, dass man unsere
Technologie für solche Zwecke verwenden kann, auch wenn sie eigentlich dem Marketing
dient.» Doch Gegenmittel sind ebenfalls vorhanden. Über den Dienst
Freedom.net von ZeroKnowledge (http://www.freedom.net)
kann jedermann anonym und verschlüsselt auf dem Netz surfen, ohne dass seine Identität,
sein Ort, oder irgendwelche andere Daten herausgefunden werden können. Und das sei
erst der Anfang beim Datenschutz, sagt der ZeroKnowledge-Stratege Alex Fowler. «In den
letzten Monaten verzeichnete die Privacy-Industrie ein unglaubliches Wachstum. Wir werden
noch viele interessante Applikationen erleben.»
Saudis sperren Yahoo!
Während sich die französische Justiz noch mit gesetzgeberischen Spitzfindigkeiten
herumschlägt, machen die Saudis schon mal kurzen Prozess. Sie haben ihren Bürgerinnen
und Bürgern den Zugang zu den beliebten Yahoo-Clubs schlicht und einfach gesperrt. Als
Begründung gaben die saudischen Behörden an, in den Clubs würde obzönes Bild-, Text-
und Tonmaterial augetauscht, was nicht
toleriert werden könne. "Der Entscheid, die clubs.yahoo.com-Site zu sperren, ist
unumstösslich", sagte Khalil al-Jadaan, Sprecher des einzigen Internet-Providers in
Saudiarabien. "Pornografische und anstössige Seiten schiessen wie Pilze aus dem
Boden. Wir können das nicht länger hinnehmen."
Mail an die Vereinigung Internet ohne Zensur IOZ
Mail an den Webmaster
URL: www.ioz.ch/news/000819.htm