24. Oktober 2002
Freies Internet – quo vadis?
«Google filtert» lautete vor
nicht allzu langer Zeit eine Schlagzeile des Online-Magazins Telepolis. Darin
prangerte der Autor Burkhard Schröder die Suchmaschine Google an: Diese zensiere
unter den Domain-Adressen www.google.de/, www.google.ch/ und www.google.fr/
Inhalte, während man unter der US-Adresse www.google.com/ dieselben Seiten frei
abrufen könne. Das Ungerechte sei dabei weniger das Sperren der Websites – da es
sich vor allem um rechtsradikale und üble pornografische Inhalte handle –,
sondern vielmehr, dass Google die Anwender über ihr Vorgehen gar nicht
informiere. Stillschweigend spielt sich hier ein Site-Betreiber als Vormund auf
–Internetbenutzern muss schliesslich gesagt werden, was für sie gut ist und was
nicht.
Leider zeigt sich in letzter Zeit, dass ähnliche Zensurmassnahmen im World Wide
Web immer mehr Anklang finden. Gerade in Europa setzen bereits verschiedenste
Anbieter Programme ein, die «schädigenden Inhalt» aus dem Internet filtern
sollen. Meist werden dazu so genannte Wortfilter benutzt. Diese sollen den
Zugang zu «politisch unkorrekten» Webseiten oder Produkten mittels Suche nach
Schlüsselbegriffen einer, dem Anwender oft unbekannten, Schwarzen Liste
verhindern. Die Zuverlässigkeit von Wortfiltern wird heute jedoch von vielen
Experten bezweifelt, da die Programme zu oberflächlich arbeiten. Stur werden
Websites nach heiklen Begriffen durchsucht und jeglicher Inhalt, der
unerwünschte Wörter enthält, unterdrückt. Die Auswirkungen dieser Zensurart sind
teilweise so seltsam, dass man sie – wenn die Problematik nicht so ernst wäre –
mit einem abschätzigen Lächeln quittieren könnte.
Jüngstens gerieten auch ebay.de und Yahoo aufgrund ihrer Filter in die
Schlagzeilen. Unter wortfilter.de sind alle Begriffe aufgelistet, die das
Auktionshaus eBay im deutschsprachigen Raum für unzumutbar hält. Beispiele
gefällig? Hitler, Arsch, Arien, Jude etc. Produkte,
die diese Buchstabenkombinationen in ihrem Namen tragen, werden dem Anwender
nicht angezeigt. Das Lächerliche an den ausgesuchten Begriffen wird einem sofort
klar, wenn man bedenkt, dass «Jude» im Englischen auch ein Personenname ist, die
Buchstabenfolge «arsch» häufiger Bestandteil von harmlosen Wörtern ist (z.B.
Marsch, Warschau, Haarschneider, Barsch, Marschall etc.) und eBay sogar falsche
Begriffe wie «Arien» (statt Arier) auf die Schwarze Liste setzt. Laut
wortfilter.de kann die Zensur ausserdem relativ einfach umgangen werden und ist
damit eigentlich ein nutzloses Ärgernis für den Anwender. Was dem Ganzen noch
die Krone aufsetzt: Wie Google findet sich auch eBay nicht bemüssigt, ihre
Kunden über die eigene Zensurpolitik zu informieren.
[gekürzt aus PCtip Webnews]
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